Reinhold Gall weiht Feuerwache in Rosengarten ein

Veröffentlicht am 10.07.2012 in Veranstaltungen

Mit Bürgermeister und Feuerwehr-Kommandant (Bildquelle: Gemeinde Rosengarten )

Anlässlich der Einweihung der neuen Feuerwache der Gemeinde Rosengarten (Landkreis Schwäbisch-Hall) hielt Innenminister Reinhold Gall die Festrede, die wir gerne zum Nachlesen ins Internet stellen (es gilt das gesprochene Wort). Weitere Bilder folgen.

"2012 ist ein gutes Jahr für Rosengarten. Nicht nur, dass die 1972 aus mehreren Ortschaften zusammengelegte und seitdem stetig wachsende Gemeinde dieses Jahr ihren 40. Geburtstag feiert, zu dem ich auch in diesem Rahmen sehr herzlich gratulieren möchte. Nein, sie bekommt ebenfalls in diesem Jahr eine wunderbare neue Feuerwache und schafft somit optimale Arbeits- und Einsatzbedingungen für die Mitglieder ihrer Feuerwehr.

Logischerweise wird auch die Freiwillige Feuerwehr Rosengarten 40 Jahre alt, obgleich die Ursprungswehren, aus denen sie hervor gegangenen ist, natürlich viel älter sind. Was das Geschenk angeht, haben wir uns beileibe nicht lumpen lassen. Ich spreche hier ganz bewusst von „wir“, denn die neue Feuerwache hat – zumindest in finanzieller Hinsicht – zwei Väter. Vom Land Baden-Württemberg hat die Gemeinde Rosengarten gut eine Million Euro Zuschüsse aus der Feuerwehrförderung und dem kommunalen Ausgleichsstock erhalten. Der Gemeinderat von Rosengarten hat ebenfalls eine große Summe für diesen Neubau bewilligt, nämlich 1,5 Millionen Euro. Und das zu einer Zeit, in der die Auswirkungen der US-amerikanischen Immobilien- und Bankenkrise mit großer Wucht über den Atlantik schwappten und auch in den finanziell soliden Staaten Europas bei Ausgaben und Investitionen spürbar auf die Bremse getreten wurde.

Ich will das ausdrücklich loben. Nicht nur, weil ich selbst eine ausgesprochen lange Feuerwehrbiographie habe und – wenn es der ministerielle Terminkalender zulässt – nach wie vor bei Übungen und Einsätzen dabei bin und mit großer Freude den Kreisfeuerwehrverband Heilbronn führe. Sondern weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass das deutsche Feuerwehrwesen zu den am besten funktionierenden der Welt gehört.
Die Feuerwehr ist eine Einrichtung der Gemeinde und sorgt auf ehrenamtlicher Basis dafür, dass die Bürgerinnen und Bürgern dann Hilfe erhalten, wenn es dieser Hilfe bedarf. Hierbei handelt es sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde und nicht etwa um eine freiwillige Aufgabe.

Dies sollten sich die Kritiker von Investitionen im Bereich der Feuerwehr – solche gibt es tatsächlich… - einmal in Ruhe zu Gemüte führen. Und auch, dass der Anteil dieser Ausgaben im Verwaltungshaushalt der Gemeinden in der Regel nur zwischen 2 und 4 Prozent liegt. Gelder, mit denen neue Feuerwachen gebaut oder Löschfahrzeuge gekauft werden, dienen nicht dem Selbstzweck der Feuerwehr, sondern der Sicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner. Deshalb haben die Männer und Frauen der Feuerwehr Rosengarten die Wertschätzung, die ihnen vom Bürgermeister, vom Gemeinderat und seitens der Bürgerschaft entgegen gebracht wird, auch redlich verdient – wie auch ihre Kameradinnen und Kameraden in den rund 25 500 anderen Feuerwehren in Deutschland.

Eine beeindruckende Zahl, wie ich finde. Fast 1,35 Millionen aktive Feuerwehrleute gibt es zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen und das bei einer Freiwilligenquote von über 95 Prozent. Das zeigt, dass unsere Wehren in der Regel tief in der Kommune, für die sie im Einsatz sind, verankert sind und zum Gemeindeleben weitaus mehr beitragen als Brände löschen oder Hilfe bei Unfällen leisten. Wie beachtlich die Anzahl der Feuerwehrleute in Deutschland tatsächlich ist, lässt sich mit einem Vergleich zu den Vereinigten Staaten von Amerika verdeutlichen. Trotz der Größe des Landes gibt es dort rund 200 000 weniger Feuerwehrleute als in Deutschland.

Nach allem, was ich bislang von der neuen Feuerwache Rosengarten gesehen habe, ist es ein ausgesprochen geglückter Neubau, der an der B19 zwischen Uttenhofen und Westheim entstanden ist: Architektonisch anspruchsvoll, energetisch nachhaltig, günstig gelegen und zweckmäßig – zwei Dinge, die bei einem Feuerwehrmagazin durchaus im Vordergrund zu stehen haben. Wirklich beeindruckt bin ich übrigens von der Adresse der neuen Wache. Ich glaube, es gibt nicht viele Ortschaften, in denen die Hausnummer der Feuerwehr mit 112 gleichlautend ist wie die europaweit gültige Notrufnummer. Dem Vermessungstechniker, der das zustande gebracht hat, ist da wirklich ein Coup gelungen. Und selbst, wenn die eigentliche Hausnummer 112 nicht ganz exakt an der Stelle sein sollte, wo die Feuerwache entstanden ist, ist der Innenminister, der ja auch Feuerwehrminister ist, in diesem Fall gerne bereit, ein Auge zuzudrücken.

Mit dem Bezug der neuen Wache werden auch die bisher dezentralen Feuerwehrmagazine der einzelnen Abteilungen aufgegeben. Da ist zum einen finanziell vernünftig, können doch die Veräußerungserlöse in die Finanzeirung des Neubaus einfließen und auch der Unterhalt einer zentralen Wache ist in der Regel günstiger als das Vorhalten mehrerer Magazine. Aber es ist auch folgerichtig, in einer gut zusammengewachsenen Gemeinde alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr unter einem Dach zu haben. Dies stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und gibt der Feuerwehr ein zentrales, einheitliches Gesicht. Ich bin davon überzeugt, dass die neue Feuerwache in Rosengarten eine wichtige Adresse für die Gemeinde wird – nicht nur in Katastrophenfällen, sondern auch im Sinne des aktiven kommunalen Zusammenlebens.

Wie ich auf der Homepage der Stadt lesen konnte, ist sie ja schon einige Tage in Betrieb und hat beim ersten Einsatz bereits ihre – im wahrsten Sinne des Wortes – Feuerprobe bestanden. Dazu möchte ich herzlich gratulieren und auch dazu, dass man sich in Rosengarten bereits im Jahr 2007 zusammengesetzt und ein Zukunftskonzept für die Freiwillige Feuerwehr erarbeitet hat. Denn in der Tat: wie die meisten Bereiche unseres Gemeinwesens stehen auch die Feuerwehren vor großen Herausforderungen. Die Zukunft wird knifflige Aufgaben für die Feuerwehren im Land bringen. Die veränderte Arbeitswelt, in der immer weniger Menschen Zeit für Ehrenämter aufbringen können oder wollen, die häufige Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz und die Auswirkungen auf die Tagesverfügbarkeit, der demographische Wandel und der Umstand, dass das gesellschaftliche Engagement des Einzelnen seinen früheren Stellenwert erst wieder erlangen muss, stellen auch die Freiwilligen Feuerwehren vor eine große Herausforderung. Ein zentraler Punkt ist dabei die Gewinnung von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund für den Feuerwehrdienst, beides Gruppen, die heute in unseren Wehren unterrepräsentiert sind. Daher gilt es also, den gesellschaftlichen Veränderungen zu begegnen, neue Zielgruppen für die Arbeit an Löschschlauch und Pumpe zu begeistern und eine gute Balance zu finden zwischen Konzentration bzw. Synergie von Einrichtungen der Feuerwehr und der Präsenz in der Fläche.

Zentraler Bestandteil einer Zukunftsstrategie für die Feuerwehr muss auch die Jugendarbeit sein. Und ich finde, die Freiwillige Feuerwehr einer Kommune mit rund 5000 Einwohnern kann stolz sein, wenn sie 20 junge Menschen in ihrer Jugendabteilung hat.

Wer Mitglied einer Jugendfeuerwehr ist, lernt früh Werte wie Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Verantwortung und Respekt im Umgang untereinander kennen. Wer bereits als junger Mensch dazu beiträgt, dass Brände gelöscht und andere Gefahrensituationen entschärft werden, der erlebt eine Wertigkeit und eine Bestätigung, die zur positiven Entwicklung der Persönlichkeit beiträgt. Deswegen – aber nicht nur – verdient das Engagement in und für die Jugendfeuerwehren die ganze Unterstützung der Träger unserer Feuerwehren. In Rosengarten scheint dies gut zu funktionieren.

Abschließend will ich die Gelegenheit nutzen, und ein paar Dankesworte sprechen. Zuerst einmal will ich den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Rosengarten ganz grundsätzlich für ihren Einsatz und ihr Engagement danken. Es ist nicht selbstverständlich, dass man ein derart zeitintensives, verantwortungsvolles und durchaus auch gefährliches Ehrenamt ausübt. Dafür meinen Dank und meinen Respekt.

Danken möchte ich auch der Gemeindeverwaltung, Herrn Bürgermeister König und den Mitgliedern des Gemeinderates. Sie kommen ihrer Pflichtaufgabe, eine Feuerwehr aufzustellen und sie zu unterhalten in hervorragender Weise nach, das zeigt sich übrigens nicht nur an diesem schmucken Bau, der nun ganz offiziell eingeweiht wird. Sie begleiten die Arbeit der Feuerwehr stets wohlwollend und ermöglichen mit der Zuweisung kommunaler Gelder die vielfältigen Aufgaben und unterstützen somit vorbildlich die Aktivitäten ihrer Wehr.
Und dann sei noch all jenen gedankt, die an der Vorbereitung und Durchführung dieses Festwochenendes mit seinen vielfältigen Veranstaltungen beteiligt sind! Das bunte Programm und die Mitarbeit vieler Vereine, der Kirchen und der Kommune selbst zeigen, dass die Freiwillige Feuerwehr fest im Leben der Gemeinde Rosengarten verankert ist. Die Bürgerinnen und Bürger wissen, was sie an ihrer Feuerwehr haben und feiern deren Mitglieder an diesem Wochenende gebührend. Diese Wertschätzung durch die Bevölkerung haben sich die Kameradinnen und Kameraden übrigens redlich verdient. Denn Mitglieder der Feuerwehr sind jederzeit bereit, bei Gefahrensituationen einzugreifen - manchmal durchaus unter Gefährdung ihres eigenen Lebens.

Ein japanisches Sprichwort sagt "Das Glück tritt gern in ein Haus ein, in dem gute Laune herrscht." und bei Lukas 14,23 heißt es "Auf dass mein Haus voll werde!”
Ich möchte beide Aussagen zumindest im Geiste mit einem Schild über der Tür des neuen Feuerwehrhauses anbringen. Voll werden soll die neue Wache nicht nur beim Feuerwehrfest und beim Tag der offenen Tür. Mit einem vollen Haus meine ich auch eine Feuerwehr in ordentlicher Mannschaftsstärke und einer vitalen Jugendabteilung, so wie das meinem heute schon bei der Feuerwehr Rosengarten der Fall ist.

Und gute Laune soll aufkommen durch ein positives Miteinander der Feuerwehrfrauen und –männer, durch gute Kameradschaft und gegenseitige Unterstützung. Denn so lassen sich auch heikle Situationen bei schwierigen Einsätzen, die das Ehrenamt bei der Feuerwehr nun mal mit sich bringt, besser bewältigen.

In diesem Sinne wünsche ich der der neuen Feuerwache eine lange Betriebszeit, den Mitgliedern der Feuerwehr alles Gute und stets eine gesunde Heimkehr vom Einsatz und der Gemeinde Rosengarten für die Zukunft weiterhin eine positive Entwicklung!"

 
 

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