Herkunftssprachlicher Unterricht und Integration

In einem Bundesland, in dem fast die Hälfte aller Schüler in der 4. Klasse Migrationshintergrund haben ist die Frage herkunftssprachlichen Unterrichts für die Integration der Kinder von großer Bedeutung.

Der herkunftssprachliche Unterricht ist ein Baustein einer verbesserten Sprachförderung. Entgegen populärer Annahmen hilft es den Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, nicht allein, wenn sie mehr Deutsch sprechen. Für eine Verbesserung der Sprachkompetenzen in Deutsch als ihrer Zweitsprache ist zusätzlich eine Förderung in der Herkunftssprache wichtig. Dies ist aus Sicht der SPD Teil des staatlichen Bildungs- und Integrationsauftrages. Die gesetzliche Grundlage des Konsulatsunterrichts stammt noch aus dem Jahr 1977 und ist überholt, weil sie auf die Rückführung statt der Integration der Zugewanderten abzielte. Die gesellschaftliche Realität heute sieht vollkommen anders aus. Daher entwickelte die SPD bereits im Sommer ein Konzept zur Neuorganisation des herkunftssprachlichen Unterrichts. Startpunkt der Umstellung ist ein fünfjähriger Modellversuch im Zuge dessen herkunftssprachlicher Unterricht als Wahlfach eingerichtet werden kann.

Interessierte Schulen sollen ab dem Schuljahr 2019/20 herkunftssprachlichen Unterricht anbieten können. Angestrebt sind insgesamt 90 Schulstandorte, wobei in den ersten drei Jahren jeweils 30 Schulen an den Start gehen. Teilnehmen können sowohl Grundschulen als auch weiterführende Schulen, sofern dort ein entsprechender Bedarf identifiziert wird.

Es ist sowohl der Einsatz von in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften möglich, als auch Personen, die im Ausland ein Lehramtsstudium oder eine pädagogische Ausbildung absolviert haben und über die benötigten Sprachkenntnisse verfügen. Lehrpläne, Unterrichtsmaterialien und Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte könnten in Kooperation mit der PH Heidelberg entwickelt werden. So sieht ein zukunftsfähiges Konzept für Baden-Württemberg aus!

Doch das Kultusministerium lehnt diesen Vorschlag mit Verweis auf die Kosten ab. Die Berechnungen des Hauses belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro. In Rheinland-Pfalz gibt es herkunftssprachlichen Unterricht als ein schulisches Wahlfach in 15 Sprachen für 14.200 Schülerinnen und Schüler, der das Land nur knapp 5 Millionen Euro im Jahr kostet. Es gibt also qualitativ hochwertige und finanzierbare Lösungen, gerade auch wenn man an die vollen Landeskassen denkt. Ein Schulversuch würde sogar erst einmal nur zwei Millionen Euro kosten. Das die Landesregierung den Modellversuch „Herkunftssprachlicher Unterricht“ ablehnt ist ein herber Rückschlag für die Integration in diesem Land.

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